Die Haushaltungskunde

Ein Leitfaden für Frauen und Mädchen aller Stände
von Katharina Prato (Edle von Scheiger)

4. vermehrte und verbesserte Auflage
Aug. Hesse´s Buchhandlung, Gratz 1886

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Ueber Pflichten, Rechte und Benehmen der Dienstmädchen

Jeder Stand in der menschlichen Gesellschaft hat seine eigenthümlichen Obliegenheiten, welche man Standespflichten nennt, die man kennen muß, um sie ordentlich auszuüben. Die Pflichten der Hausfrauen z.B. bestehen darin, den Haushalt zu führen, für die Bedürfnisse der Familie zu sorgen, mit den vorhandenen Mitteln zweckmäßig und sparsam zu verfahren, damit sie für alles Nothwendige ausreichen u.s.w. Zu diesen häuslichen Geschäften benöthigen sie als Gehilfinnen der Dienstmädchen, welche daher in vieler Beziehung die gleichen Pflichten wie die Hausfrauen haben, indem sie die Anordnungen derselben ausführen. Jedes Dienstmädchen dürfte demnach bald erkennen, wie es handeln soll, wenn es sich in Gedanken an die Stelle der Hausfrau setzt und überlegt, wie es sich als solche ihre Dienstmädchen wünschen würde.

Wenn Mädchen zum Haushalte bestimmt sind, namentlich wenn sie durch Dienen bei Fremden ihren Erwerb suchen, ist vor Allem wichtig, durch baldige Erlangung der nöthigen Kenntnisse, sowie durch tadelloses Benehmen sich Wohlwollen und gute Behandlung zu sichern.

Viele Mädchen kommen von der Schule weg, ohne häusliche Erziehung in eine städtische Haushaltung, wo ihnen alle Gebräuche, die meisten Geräthe, deren Verwendung und Reinhaltung, fremd sind. Für solche ist es besonders wichtig, sich vor Allem zu unterrichten, was von ihnen gefordert wird, damit sie sich einerseits die fehlenden Kenntnisse schnell anzueignen trachten, andererseits einsehen lernen, daß nicht jede Dienstleistung, die ihnen bisher fremd war, eine unbillige und unzukömmliche Forderung der Hausfrau ist1.

Es ist den Mädchen auch sehr zu empfehlen, den in jedem Dienstbotenbuche enthaltenen Auszug aus der Dienstbotenordnung2 aufmerksam durchzulesen, und im Gedächtnisse zu behalten.

Dienende müssen bedenken, daß sie ihre Zeit und Kraft gegen die bedungene Bezahlung und Verpflegung vermiethen und daher ebenso unrecht handeln, wenn sie diese Zeit und Kraft oder ihre Kenntnisse, wegen welcher sie aufgenommen sind, nicht gut anwenden, als wenn der Miether den bedungenen Preis dafür verkürzen wollte. Schlechtes, träges Arbeiten ist daher ebenso eine Veruntreuung, als das Entwenden von Gegenständen, denn sie entziehen auf diese Weise, was sie verkauft haben3. Durch Langsamkeit und Nachlässigkeit bei der Arbeit schaden sie aber nicht nur den Dienstgebern sondern sich selbst am meisten, indem solche Eigenschaften zur Gewohnheit werden und sie sich damit einen schlechten Namen machen, dann nur schlechte Dienste bekommen und im Alter gewöhnlich in Noth und Elend gerathen, oder wenn sie das Schicksal zur Selbstständigkeit führt und in eine gute Lage versetzt, leicht wieder zu Grunde gehen.

Braven Dienstmädchen erwirbt ihr guter Ruf Vertrauen und Wohlwollen und fast immer eine bessere Existenz im Alter und vor Allem Zufriedenheit mit sich selbst, während schlechte, mit Allem unzufriedene Menschen sich Andern zur Last fallen. Haben junge Dienstmädchen den ernstlichen Willen, sich einen guten Namen zu erwerben, um sich eine bessere Stellung zu gründen, so haben sie auch Lust, Alles ordentlich zu erlernen. Diejenigen, welche sich einen guten Namen erwerben wollen, geben auch sonst auf ihr Benehmen Acht und erlauben sich keinerlei Untugend.

Die Dienenden sollen ihren Dienstgebern in allen Stücken sparen helfen und bedenken, wie drückende Sorgen es denselben oft verursacht, alles für den Haushalt Nöthige zu beschaffen und daß es ihnen oft nicht möglich ist, sich so viel zu erübrigen, als sparsame Dienstleute, welche sich sorglos zu Tische setzen können und deren Los durchaus kein so drückendes ist als Viele sich einbilden, was sie meistens erst einsehen, wenn sie durch Heirat selbstständig werden und bittere Entbehrungen kennen lernen.

Wenn beim Eintritte in einen Dienst einem Mädchen manches unleidlich erscheint und es glaubt, unmöglich in diesem Hause bleiben zu können, so soll es wohl überlegen, ob es auch wichtige Gründe sind, denn die ersten Tage erscheint oft etwas Unbedeutendes unerträglich. Wenn das Mädchen sich jedoch an die fremde Eintheilung und Behandlung gewöhnt und die Dienstgeber näher kennen lernt, so befindet es sich später in einem solchen Hause oft recht wohl. Manchesmal sind ungezogene Kinder Ursache, daß ein Mädchen nicht bleiben will, wenn aber die Kinder bei längerem Beisammensein und freundlicher Behandlung das Mädchen lieb gewinnen, werden sie auch folgsam und artig sein.

Ein Mädchen soll nicht gleich einen Dienst verlassen , wenn die Hausfrau strenge auf Ordnung, Reinlichkeit und gute Sitten hält, das zum Kochen nöthige vorgibt und wenig freien Willen läßt. Bei einer solchen Hausfrau kann ein Mädchen gewöhnlich Vieles lernen, was ihr für das ganze Leben nützlich ist, und wenn sie sich an die Hausordnung gewöhnt hat, wird sie dieselbe auch schätzen lernen. Solche Haushaltungen sind jedenfalls jenen vorzuziehen, wo Unsauberkeit und nachlässige Wirthschaft herrscht, denn in einem unordentlichen Haushalte kann ein braves Mädchen von seinen guten Gewohnheiten nachlassen und verdorben werden.

Bemerkt ein ordentliches Mädchen, daß die Hausfrau, in deren Dienst es steht, sehr mißtrauisch ist, so soll es nicht gleich empfindlich und mürrisch werden, sondern im Gegentheile das Vertrauen derselben zu gewinnen suchen, denn diese ist meistens nur durch schlimme Erfahrungen an andern mißtrauisch geworden und weil manche Mädchen ein Vergnügen darin finden, eine solche zu betrügen. Jede Hausfrau wird jedoch erfreut sein, wenn sie zur Ueberzeugung kommt, daß das Mädchen durch gute Eigenschaften und verläßliche Ehrlichkeit ihr Vertrauen verdient.

Es ist keine Ehre für ein Mädchen, wenn ihr Dienstbuch viele kurze Dienste aufweiset , wenn sie auch nicht weggegeben wurde, sondern selbst ging, indem sie sich durch alles Ungewohnte abschrecken ließ. Das öftere Dienstwechseln bringt auch keinerlei Vortheil, deshalb soll ein Mädchen nie ohne triftigen Grund einen Dienst verlassen und nicht einen Dienst höheren Lohnes wegen zu erhalten suchen, für dessen Anforderungen die bereits erlangten Kenntnisse nicht genügen.

Hingegen soll ein braves Mädchen nicht in einem Hause bleiben , wo Zank und Unfriede herrscht, wo, wie es leider zuweilen vorkommt, Gatten oder Kinder und Eltern einander betrügen und etwa verlangen, es solle hiebei behilflich sein. Sobald einem Dienstmädchen eine Handlung gegen das Gesetz, die Ehre oder Sittlichkeit zugemuthet wird, soll es unverzüglich künden, weil in einem solchen Hause sein guter Name gefährdet ist. Bei Vorenthaltung des Lohnes hat sich ein Dienstmädchen an die Behörde zu wenden, um ihn nicht zu verlieren, jedenfalls aber einen solchen Dienst bald zu verlassen.

Ein Mädchen soll ihren Dienst nicht nachlässig versehen , wenn die Hausfrau nicht immer hinter ihr ist und nachsieht, sie soll im Gegentheile zeigen, daß sie das Vertrauen, welches ihr geschenkt wird, auch verdient, und soll gerade ihre Ehre darein setzen, auch wenn Niemand nachsieht und mahnt, Alles musterhaft zu verrichten. Es soll auch nie auf die Güte der Hausfrau sündigen und etwa sagen: "Oh, meine Frau sagt nichts, wenn ich auch auf ihrer Befehle vergesse oder etwas unrecht gemacht habe", denn eine solche Frau hat oft nur Geduld, weil sie hofft, durch Güte ein aufmerksames Entgegenkommen zu wecken. Sieht sie jedoch, daß sie mit Güte nichts ausrichtet, so sucht sie sich eine Andere, welche eine gute Behandlung besser zu schätzen weiß, das Mädchen aber hat, ehe es daran denkt, einen guten Platz und eine gute Frau verloren, denn manche Frauen wollen nicht oft über denselben Gegenstand sprechen, sie erklären ihren Willen und warten ab, ob er ordentlich erfüllt wird.

Die Treue oder besser gesagt die Ehrlichkeit besteht nicht nur darin, daß man nicht stiehlt oder betrügt , das heißt, sich fremdes Geld und Gut aneignet, auch wer Dinge, die der Familie des Dienstgebers oder überhaupt jemand Andern gehören, ohne Erlaubniß benützt (z.B. fremde Wäsche trägt), ebenso, wenn er es verhüten kann, stillschweigend zugibt, daß die Dienstherrschaft beschädigt oder benachtheiligt werde, z.B. beim Einkauf durch schlechte Beschaffenheit des Gekauften oder Verkürzung in Maß und Gewicht, begeht eine Unehrlichkeit, sowie wer beim Einkaufen der Frau mehr anrechnet, als wirklich bezahlt wurde. Der etwa geringe Betrag des Veruntreuten entschuldigt nicht und wer nicht auch bei Kleinigkeiten streng ehrlich ist, hat nicht mehr das Recht zu verlangen, daß in das Dienstzeugnis "ehrlich" geschrieben wird. Wer bei Kleinigkeiten nicht ehrlich ist, kann auch bei Gelegenheit einer größeren Versuchung nicht wiederstehen und sich dadurch für immer unglücklich machen. Ein Dienstmädchen, welches auch nur zuweilen in Kleinigkeiten betrügt, wird aber jedenfalls das Vertrauen der Herrschaft einbüßen, selbst wenn diese es nicht zu erkennen gibt, daß sie eine Unehrlichkeit bemerkt habe. Um das Vertrauen nicht zu verlieren, ist auch jede Unwahrheit sorgsam zu vermeiden.

Wird ein Auftrag ertheilt, so soll das Mädchen aufmerksam zuhören und zum Schlusse das Gesagte wiederholen, damit kein Mißverständnis möglich wird, oder wenigstens durch eine Antwort zeigen, daß es den Auftrag verstanden hat. Es ist jedoch unschicklich, geräuschvoll herumzuarbeiten, während man mit ihm spricht oder gar ohne Antwort aus dem Zimmer zu gehen.

Glaubt ein Mädchen eine Sache auf eine andere Art besser machen zu können, als nach Angabe der Hausfrau , so kann es in artiger Weise ersuchen, es auf seine Manier ausführen zu dürfen; findet dann aber erstere ihre Anordnung aus irgend einem Grunde dennoch zweckmäßiger, so muß sich das Mädchen ohne Verdrießlichkeit fügen, denn jede Frau hat das Recht, ihren Haushalt nach eigener Einsicht und Erfahrung oder auch nur nach eigenem Willen zu leiten. Es ist deshalb auch in zweifelhaften Fällen immer besser, die Hausfrau zu fragen, als auf eigenes Gutdünken etwas zu thun und trotz dem besten Willen aus Unkenntnis Schaden zu verursachen, z.B. beim Putzen von Geräthen, Reinigen von Kleidung u. s. w. Auch wenn ein Mädchen schon gut zu kochen versteht, ist es nothwendig, sich in jeder Familie um den Hausgebrauch zu erkundigen und in allen Stücken, in Menge und Art der Bereitung sich darnach zu richten.

Die Mädchen sollen sich auch nicht aus übertriebenem Ehrgeiz über eine leichte Rüge oder ungewöhnliche Anordnung tief gekränkt fühlen und durch Eigensinn, Trotz und üble Laune unnöthigen Verdruß herbeiführen, während es ihnen durch Aufmerksamkeit, die Wünsche der Hausfrau zu errathen und auszuführen, so leicht wird sich beliebt zu machen.

Hat ein Dienstmädchen etwas beschädigt oder zerbrochen , so muß es sich sogleich bei der Hausfrau in anständiger Weise entschuldigen. Es ist auch verpflichtet, den Schaden wieder gut zu machen, was aber sehr oft gar nicht möglich ist, da die Beschädigung an unersetzlichen Dingen geschehen kann. Nie darf man aus Furcht den zerbrochenen Gegenstand verstecken oder wegwerfen, oder die Schuld von sich auf jemand Anderen, etwa ein Kind schieben. Wenn man seine Schuld eingesteht und um Nachsicht bittet, wird in vielen Fällen die Frau auf Ersatz verzichten. Hat wirklich ein Kind etwas beschädigt und das Dienstmädchen sah es, so muß es das Kind sogleich zur Mutter führen und den Fall ruhig erzählen, denn wenn Stunden oder Tage darüber vergehen, so hat jenes bereits darauf vergessen.

In einem Haushalte Dienende müssen sich untereinander gut vertragen , was leicht erzielt wird durch gegenseitige Gefälligkeit und wenn jedes seine Arbeit ordentlich verrichtet, nicht einem Andern zuschiebt, oder im Falle eines Versehens die Schuld auf ein Anderes wälzt. Kommen dennoch kleine Streitigkeiten vor, so müssen sie ausgeglichen werden, ohne daß der Dienst darunter leidet oder der Dienstgeber damit behelligt wird. Man soll nie leichtsinniger Weise Mitdienende verklagen, aber unehrenhafte Handlungen der Hausfrau bekannt machen und neben unehrlichen und unsittlichen Dienstboten nicht fortdienen.

An den zum Ausgehen bestimmten Tagen ist es schicklich, nachdem alles Nothwendige gerichtet ist, sich bei der Hausfrau zu empfehlen, die zur Rückkehr bestimmte Zeit pünktlich einzuhalten und bei einem zufällig verspäteten Heimkommen sich artig zu entschuldigen und eine etwaige Rüge geduldig hinzunehmen. Es können auch Fälle vorkommen, z.B. wenn Jemand von der Familie krank ist, oder Gäste anlangen, u. s. w., daß der Ausgang des Mädchens verschoben werden muß. In solchen Fällen schickt es sich, daß dieses selbst anbietet, dieses Mal auf den Ausgang zu verzichten oder ihn bei gelegener Zeit einzubringen. Zum sonn- und festtäglichen Gottesdienste muß jedes Mädchen Zeit finden, z.B. durch früheres Aufstehen, Vorrichten von Arbeiten u. s. w., es darf jedoch seine nothwendigen Geschäfte nicht vernachlässigen.

Zum anständigen Benehmen gehört auch , daß Dienstmädchen die Familie des Dienstgebers am Morgen artig begrüßen und vor dem Schlafengehen gute Nacht wünschen und fragen, ob noch etwas zu verrichten sei, sowie daß sie danken, wenn sie etwas erhalten haben und wenn sie etwas wünschen, artig darum ersuchen. Wiederspruch, nutzlos fragen, ungefragt mitsprechen, ist ebenso zu vermeiden, als in den Zimmern singen, die Thüren zuschlagen oder solche, welche geschlossen werden sollen, offen lassen. Es ist auch schicklich, daß die Dienenden aufstehen und stehend antworten, wenn sie von der Herrschaft oder deren Besuchen gefragt werden, beim Passiren einer Thüre diese öffnen, beiseite treten und die Herrschaft durch dieselbe gehen lassen, bei Ausgängen nicht neben, sondern hinter Frau oder Fräulein gehen u. dgl. m.

Wenn ein Dienstmädchen von oder zu Verwandten oder Bekannten der Familie spricht, welche von den Hausgenossen nur beim Taufnamen oder Onkel, Tante u. s. w. genannt werden, so hat es immer Herr, Frau oder Fräulein vor deren Namen zu sagen oder die Herren bei ihrem Titel zu nennen.

Wenn unmittelbar vor einer der Mahlzeiten ein Besuch kommt, darf ohne Anordnung der Hausfrau nicht aufgedeckt, oder wenn es schon geschehen ist, aufgetragen werden. Eben so wenig dürfen Waschschüsseln, schmutzige Wäsche u. s. w. durch das Zimmer getragen oder die Betten abgeräumt werden, so lange Abends Besuch anwesend ist.

Da Reinlichkeit und Ordnungssinn zu den wichtigsten Eigenschaften jedes Mädchens gehören, so muß es bei sich selbst damit anfangen und sich angewöhnen, früh aufzustehen, um die nöthige Zeit zu haben, sich zu waschen, einfach aber nett die Haare zu machen, sich anständig anzuziehen und das Bett aufbetten, ehe die Morgengeschäfte beginnen. Zahnbürste, Frisierkamm u. s. w. müssen augenblicklich gereinigt und aufgehoben werden. Ausgegangene Haare sollen in Papier gewickelt in das Feuer, nicht aber in den Kehricht kommen. Schläft das Mädchen in der Küche und hat es sonst keinen Raum, um sich zu waschen, so soll es die Waschschüssel nicht auf den Herd oder Anrichttisch stellen, sondern auf einen Küchenstuhl, wenn sonst nichts Geeignetes dazu vorhanden ist. Es muß sich auch unter Tags ungeheißen, so oft es beim Arbeitswechsel nöthig erscheint, Hände und Arme zu waschen, wozu stets die Waschschüssel mit reinem Wasser nebst Handtuch und Seife am bestimmten Platze sein muß. Es darf jedoch nicht etwa die Hände an der Schürze abtrocknen, oder gar den Schmutz daran abwischen, viel weniger die Schürze als Sacktuch gebrauchen. Zur Reinlichkeit gehört auch öfteres Waschen der Füße mit lauem, aber ja nicht mit kaltem oder sehr warmen Wasser, vor dem Schlafengehen und Baden, wenigstens einmal im Monate, was besonders im Sommer der Gesundheit dienlich ist.

Reinlichkeit in Allem, besonders aber des Körpers ist das erste Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten. Die Reinlichkeit der Leib- und Bettwäsche, der Kleidung und Wohnung läßt sich auch in den ärmlichsten Verhältnissen durch Wasser, Seife, Luft und Fleiß erhalten. Reinlichkeit ist immer eine empfehlende Eigenschaft, denn wer sich selbst rein hält, wird auch beim Kochen, Abwaschen, Aufräumen u. s. w. alles reinlich verrichten.

Es soll auch stets eine überbrauchte Schürze von grober Leinwand in Bereitschaft haben, um diese bei beschmutzenden Arbeiten schnell über die andere umbinden, damit die reine geschont werde. Für länger andauernde Arbeiten, wie Abwaschen, Bodenreiben, Wäschewaschen u. dgl. soll ein älterer Anzug benützt werden, damit der bessere Hausanzug zum gewöhnlichen Tragen beim Aufräumen der Zimmer, Bedienen bei Tische u. s. w. länger rein bleibe. Zu letzteren Geschäften soll stets eine reine Schürze genommen werden und müssen die Hände gewaschen sein. Das Beschmutzen der Kleidung ist auch oft zu vermeiden, wenn man sich nicht an den Herd, Ausguß u. dgl. lehnt oder schmutzige Gegenstände zu nahe an sich hält.

Zur Ausbesserung seiner Wäsche und Kleidung soll jedes Dienstmädchen schon bei der Aufnahme die Frau ersuchen, die Sonntagsnachmittage, an denen sie nicht ausgeht oder an einem bestimmten Tag der Woche oder die Abende nach gerichteter Arbeit, für sich nähen zu dürfen, denn man kann Manches länger in Gebrauch oder anständig erhalten, wenn es rechtzeitig, so lange die Schäden noch klein sind, ausgebessert wird und dadurch manche neue Anschaffung ersparen. Ist ein Mädchen fleißig und flink mit der Nadel, so wird es auch manches neue selbst zu machen Zeit finden und lernen, wofür es einer Nähterin verhältnismäßig viel zahlen müßte und wird wenn es brav und beliebt ist, von der Hausfrau darin noch manche Erleichterung und Anleitung oder Zeitbewilligung erlangen.

Einfachheit im Anzuge ist schon deshalb anzurathen, weil die Frauen kein Vertrauen in ein Mädchen setzen können, welches sich übermäßig putzt und solche nie gerne in Dienst nehmen, wenn ihnen auch eine nette Erscheinung angenehm ist. Zum täglichen Gebrauche sind für Mädchen, welche sich mit häuslichen Arbeiten beschäftigen, die Baumwoll- (Kattun-)Kleider am geeignetsten, weil sie frisch gewaschen immer wieder wie neu aussehen, während die meisten Schafwollstoffe durch öfteres Waschen leiden und immer auch schwieriger zu behandeln sind. Ferner sollen Anzüge, welche zur Arbeit getragen werden, nicht zu fest anschließen und keinerlei überflüssigen Aufputz haben, wie z.B. Falben an den Röcken, weite Aermel u. s. w., weil sie hinderlich sind und man leicht damit hängen bleibt, und da sie beim öfteren Waschen und Bügeln zu viele Arbeit verursachen. Für Feiertagskleider wähle man gute Stoffe, welche lang hübsch bleiben und endlich noch als Hausanzüge dauerhaft sind. Auch diese sollen in Schnitt und Aufputz einfach, nicht auffallend modern sein, wodurch sie viel länger getragen werden können. Es verräth auch viel Leichtsinn, den Lohn mehrerer Monate für ein modisches elegantes Kleidungsstück wegzugeben, welches meistens ganz unzweckmäßig ist und mit dem übrigen Anzuge nicht im Einklang, nur lächerlich steht. Man kaufe jedoch nur gute Stoffe, welche lang anständig bleiben, niemals schlechtes Zeug, wenn es auch noch so billig ist, aber doch theuer kommt, da es nur kurze Zeit hübsch erscheint, dann bald fetzig und farblos wird und weil das Zugehör für einen werthlosen Soff so viel kostet, wie für einen dauerhaften und das Machen bei beiden die gleiche Arbeit erfordert.

Besonders unvernünftig ist es auch, sich kostspielige und unzweckmäßige Schuhe anzuschaffen, die meist nicht dauerhaft sind und nicht zur Arbeit taugen. Ein solid gemachter Lederschuh, der die Feuchtigkeit nicht durchläßt, kann, solange er neu ist, Sommer wie Winter zum Ausgehen und später für das Haus getragen werden. Bei großer Hitze sind jedoch im Hause leichte ausgeschnittene Schuhe vorzuziehen, weil nicht nur die Schuhe, sonder auch die Füße durch Schweiß leiden.

Mädchen vom Lande sollen nach Thunlichkeit ihre Tracht beibehalten, die ihnen gut steht und billiger kommt. Als Kopfbedeckung ist im Sommer ein Hut, der die Augen vor dem Sonnenlichte schützt, sonst ein hübsches Kopftuch am zweckmäßigsten. Modische Hüte mit Federn und Schleier sind kostbar und stehen zum übrigen Anzug und zu den Geschäftsgängen lächerlich. Die Kleidung soll aber rein und nett sein, das heißt, es darf nirgend etwas Abgerissenes, unordentlich Angenähtes, schief Geknöpftes u. dgl. sein. Wie auf nette Kleidung muß jedes Mädchen auch auf ordentliche Wäsche und zwar in genügender Zahl zum wechseln sehen.

Beim Anschaffen von Wäsche und Kleidung soll eine vernünftige Eintheilung getroffen und immer zuerst das Nothwendigste bestritten werden. Es ist deshalb zur Uebersicht zweckmäßig, im Herbste für den Winter und im Frühjahre für den Sommer auf einmal einzukaufen und die übrige Zeit den Lohn zusammenzulegen und alle Einnahmen und Ausgaben genau aufzuschreiben.

Entbehrliches oder Kostspieliges zu kaufen ist überhaupt, aber besonders dann unvernünftig, wenn das Geld dafür nicht schon vorhanden ist; denn es kann eine unerwartete Kündigung und zeitweise Dienstlosigkeit, oder eine Krankheit eintreten und daraus die größte Verlegenheit und Sorge entstehen.

Ein vernünftiges Dienstmädchen wird es sich so einrichten, daß es von seinem Lohne immer etwas erspart und für einen Krankheitsfall oder für das Alter, wenn es arbeitsunfähig wird, zurücklegt. Wie lohnend es ist, wenn man auch noch so wenig erübrigt, wird ersichtlich, wenn man berechnet, daß 1/2 Gulden jeden Monat zurückgelegt im Jahre 6 Gulden ausmachen, jährlich 6 Gulden in einer Sparcasse eingelegt in zwanzig Jahren mit den dazukommenden Interessen bei 150 kr. betragen, welche dann 6 kr. Interessen jährlich abwerfen, daher das Sparen und Anlegen schon in der Jugend begonnen, am lohnendsten ist. Selbst mit kleinen Ersparnissen kommt Freude an Arbeit, ehrlichem Erwerb und geordnetem Leben. Durch Einlagen von einigen Gulden jährlich in einen Dienstboten-Versorgungsverein kann auch ein sorgenfreies Alter gesichert werden.

Dagegen ist das Ausborgen von Geld auch an Bekannte oder Verwandte sehr zu widerrathen, selbst wenn hohe Procente geboten werden, denn es kommt häufig vor, daß man nichts zurückerhält und im besten Falle doch Verdruß und Feindschaft durch das Zurückfordern entsteht.

Wie vor dem Verleihen von Geld, muß auch vor dem Lottospiele gewarnt werden, denn durch die Möglichkeit, mit kleinem Einsatze eine größere Summe zu gewinnen, lassen sich viele dazu verleiten. Gar manche eifrige Setzerin könnte jedoch eine hübsche Summe in der Sparcasse haben, wenn sie ihre Kreuzer immer dahin gegeben hätte, während sich so manche wohlhabende Leute durch eifriges Setzen an den Bettelstab gebracht haben, in der steten Hoffnung doch endlich durch einen größeren Gewinn Ersatz für das Gesetzte und einen bedeutenden Ueberschuß zu erhalten.

Wenn ein Dienstmädchen in einem Hause gut gehalten ist, so soll es stets nach besten Wissen das Rechte thun und das Interesse des Hauses wie zur Familie gehörig zu fördern trachten, so wird es sicher viele Jahre oder bis es heiratet, in der Familie bleiben können, wenn es sich nicht Eigensinn oder üble Laune angewöhnt, wie es sonst zuweilen bei sonst musterhaft braven Dienstboten vorkommt. Das Bestreben soll in allem sei, eine Gehilfin der Hausfrau zu werden, um sich dadurch auch eine geachtete Stellung in der menschlichen Gesellschaft zu erringen .

1 Um verständigen strebsamen Mädchen die Gelegenheit zu bieten, sich auf die schnellste und leichteste Art die nöthigen Kenntnisse anzueignen und über das wünschenswerthe Benehmen zu belehren, ist in wohmeinendster Weise in diesem Büchlein alles besprochen, was jedes Mädchen lernen und gelegentlich nachsehen soll, wie der Soldat seine Dienstvorschriften, wie der Beamte die Gesetze.

2 Jedes Mädchen hat sich beim Entritte in den ersten Dienst ein Dienstbotenbuch von der Polizeibehörde (Magistrat oder Gemeindeamt) geben zu lassen, wobei ihr Heimatschein eingetragen wird. Dieses Buch muß sie bei der Aufnahme in einen Dienst der Frau übergeben, welche es zu behalten hat bis das Mädchen den Dienst verläßt und das erhaltene Zeugnisbei der Polizeibehörde eingetragen wurde. Lautet ein Zeugnis in einer der Rubriken "Treu", "Fleiß", "Sittlichkeit" u. s. w. ungünstig, indem darüber nichts gesagt ist, so wird diese Rubrik im Buche mit einem Striche ausgefüllt. Aus diesem Dienstbuche ersieht daher jede Frau die guten und üblen Eigenschaften eines Mädchens, sowie die Dauer der Dienste. Ohne Vorweisung des Buches darf aber keine Frau ein Dienstmädchen aufnehmen, weil es gesetzlich geboten ist, eines zu haben und der Tag des Eintrittes in jeden Dienst gemeldet und eingetragen werden muß.

3 Täglich eine Stunde vergeudet macht im Jahre über 300 verlorene Arbeitsstunden, das ist fast ein ganzer Monat, in dem sie Lohn und Nahrung umsonst genossen.

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Vater wird, hoffe ich, so lieb sein, seine verlorene Tochter aus der Stadt heimzuholen, sofern er nicht wünscht, daß ich im Spital Visite mache, Advokat im Tempel oder Wachsoldat vor dem St. James Palast werde.

Jane Austen an ihre Schwester Cassandra
18. September 1796
 

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